Die Art der Arzneimittelherstellung in der Spagyrik hat ihre Wurzeln in der vorchristlichen Zeit. Als Wegbereiter im 19. Jahrhundert gelten unter anderem Cesare Mattei (1809-1896, „Elektro-Homöopathie“) und Carl-Friedrich Zimpel (1801-1879, „Spagyrische Heilkunst“). In der Spagyrik werden die Wirkstoffe aus Pflanzen auf eine besondere Weise getrennt, bearbeitet und dann wieder zusammengeführt. Dabei spielen Gärung, Destillation und Veraschung eine zentrale Rolle, wodurch gewissermaßen eine „Veredelung“ der Wirkstoffe erreicht werden soll. Zimpel unterschied Haupt-, Spezial- und Elektrizitätsmittel, erstere nannte er in Anlehnung an Paracelsus „Arcana“. Aktuell erhältlich sind sowohl (individuell zusammenstellbare) Einzelmittel als auch fixe Mischungen in Form von Dilutionen oder Globuli, die meist aus Essenzen oder tiefen D-Potenzen bestehen. Üblich sind auch Sprays, die auch auf die Haut aufgetragen und eingerieben werden. Die Präparate werden nach bestimmten Anwendungsbereichen verordnet, beispielsweise Erkältungskrankheiten oder Menstruationsbeschwerden. Beispiel: SAL 7 Entspannung® Mundspray (Spagyros) wird laut Angaben des Herstellers für Unruhezustände und Erregtheit empfohlen und besteht aus der D1 einer Urtinktur, die wiederum 7 Pflanzen enthält (Engelwurz, Kaffee, Weissdorn, Stechapfel, Herzgespann, Melisse, Baldrian).

[Jütte R: Geschichte der Alternativen Medizin. Von der Volksmedizin zu den unkonventionellen Therapien von heute. München: C. H. Beck; 1996]