Glossar2023-12-11T08:46:14+00:00

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Anthroposophisch orientierte Medizin2023-12-06T12:08:47+00:00

Rudolf Steiner (1861–1925), der Begründer der Anthroposophie, entwickelte die Grundlagen der anthroposophisch orientierten Medizin gemeinsam mit der Ärztin Ita Wegman (1876-1943). Zur Erweiterung der naturwissenschaftlichen Medizin wurde das Gedankengebäude der anthroposophischen Menschenkunde einbezogen. Steiner formulierte: „[…] aus dem Durchschauen des Menschen und der Natur weiß man, wie man ganz exakt im einzelnen Fall den Naturvorgang in einem Naturprodukt zum Heilfaktor umgestalten kann“. Durch eine „erkennbare Wesensverwandtschaft“ zwischen dem Menschen und den Naturreichen werden die Wirkungen der Präparate, die aus dem Pflanzen-, Tier- und Mineralreich stammen, auf der Basis von Analogieschlüssen abgeleitet. Die verwendeten Heilmittel scheinen auf den ersten Blick den homöopathischen Arzneien ähnlich zu sein, es gibt aber deutliche Unterschiede im Herstellungsprozess. Die Heilmittel werden auch für die Selbstmedikation angeboten und indikationsbezogen verordnet. Beispiel: Apis Belladonna Globuli velati® (WALA) für Halsschmerzen und Entzündungen des Mund- und Rachenraums, darin sind Belladonna D3 und Apis D4 in einem speziellen Verfahren zusammengeführt.

[Wolff O: Anthroposophisch orientierte Medizin und ihre Heilmittel. Stuttgart: Verlag Freies Geistesleben; 1996]

Homöopathie2023-12-06T12:14:34+00:00

Die Homöopathie wurde von Samuel Hahnemann (1755-1843) begründet. Sie  ist eine Heilmethode mit Arzneien, die nach Prüfung ihrer Wirkung am Gesunden aufgrund der individuellen Krankheitszeichen des Patienten auf der Basis des Ähnlichkeitsprinzips als Einzelmittel zur Heilung und Linderung von Krankheiten angewendet werden. Eine ausführliche Erläuterung findet sich auf der Hauptseite dieses Blogs [LINK].

[Teut M, Dahler J, Lucae C, Koch U: Kursbuch Homöopathie. 2. Auflage. München: Elsevier 2016]

Komplexmitteltherapie2023-12-06T12:10:15+00:00

Ein homöopathisches Komplexmittel ist eine fixe Zusammenstellung mehrerer Substanzen, die zumeist in D-Potenzen kombiniert werden und für eine bestimmten Anwendungsbereich bzw. eine Indikation zugelassen sind. Beispiel: Das Präparat Vertigoheel® Tabletten (Heel) gegen Schwindel, mit den Wirkstoffen Cocculus D4, Conium D3, Ambra D6 und Petroleum D8. Erste Versuche, verschiedene homöopathische Arzneien zu kombinieren, reichen in die Zeit Hahnemanns zurück – welche dieser naturgemäß vehement ablehnte. Weitere Protagonisten in der Entwicklung von Komplexmitteln sind beispielsweise Emanuel Felke (1856-1926) und Hans-Heinrich Reckeweg (1905-1985). Letzterer begründete die spezielle Richtung der „Homotoxikologie“, die im Wesentlichen die Entgiftung des Körpers im Auge hat. Dazu werden sowohl Einzel- als auch Kombinationspräparate empfohlen, zusätzlich auch so genannte „Potenzakkorde“, die ein Arzneimittel in verschiedenen Potenzen enthalten (z.B. D4, D12, D30. D200, D1000).

[Blessing B: Wege der homöopathischen Arzneimitteltherapie. Mit einem Geleitwort von Robert Jütte. Berlin, Heidelberg: Springer; 2010]

Schüßler-Salze2023-12-06T12:07:59+00:00

Wilhelm Heinrich Schüßler (1821-1898) entwickelte aus der Homöopathie heraus sein eigenes Heilverfahren, dass unter der Bezeichnung „Biochemie“ bekannt wurde. In einem 1873 in der Allgemeinen Homöopathischen Zeitung erschienenen Aufsatz stellte Schüßler ein neues System vor, dass die Verordnung der Arzneien drastisch vereinfachen sollte und nurmehr 12 Arzneien beinhaltete. Schüßler selbst nannte seine Präparate zunächst nur „Functionsmittel“, erst später war von „Dr. Schüsslers biochemischen oder Functionsmitteln“ und von „Schüßler-Salzen“ die Rede. Die Auswahl der Functionsmittel beruht auf der Annahme, dass jeder Krankheit ein Mangel an Mineralstoffen zu Grunde liegt. Dieser Mangel soll durch die Gabe von Salzen in niedrigen Potenzen ausgeglichen werden. Heutzutage werden dieselben Präparate wie in der Homöopathie verwendet, üblicherweise in der 6. oder 12. D-Potenz als Tabletten; auch Globuli sind erhältlich. Beispiel: DHU Schüßler-Salz Nr. 6® Kalium sulfuricum D6 (Tabletten).

[Baschin M: Wilhelm Schüßler und seine biochemischen Arzneimittel. Essen: KVC Verlag 2019]

Spagyrik2023-12-06T12:09:58+00:00

Die Art der Arzneimittelherstellung in der Spagyrik hat ihre Wurzeln in der vorchristlichen Zeit. Als Wegbereiter im 19. Jahrhundert gelten unter anderem Cesare Mattei (1809-1896, „Elektro-Homöopathie“) und Carl-Friedrich Zimpel (1801-1879, „Spagyrische Heilkunst“). In der Spagyrik werden die Wirkstoffe aus Pflanzen auf eine besondere Weise getrennt, bearbeitet und dann wieder zusammengeführt. Dabei spielen Gärung, Destillation und Veraschung eine zentrale Rolle, wodurch gewissermaßen eine „Veredelung“ der Wirkstoffe erreicht werden soll. Zimpel unterschied Haupt-, Spezial- und Elektrizitätsmittel, erstere nannte er in Anlehnung an Paracelsus „Arcana“. Aktuell erhältlich sind sowohl (individuell zusammenstellbare) Einzelmittel als auch fixe Mischungen in Form von Dilutionen oder Globuli, die meist aus Essenzen oder tiefen D-Potenzen bestehen. Üblich sind auch Sprays, die auch auf die Haut aufgetragen und eingerieben werden. Die Präparate werden nach bestimmten Anwendungsbereichen verordnet, beispielsweise Erkältungskrankheiten oder Menstruationsbeschwerden. Beispiel: SAL 7 Entspannung® Mundspray (Spagyros) wird laut Angaben des Herstellers für Unruhezustände und Erregtheit empfohlen und besteht aus der D1 einer Urtinktur, die wiederum 7 Pflanzen enthält (Engelwurz, Kaffee, Weissdorn, Stechapfel, Herzgespann, Melisse, Baldrian).

[Jütte R: Geschichte der Alternativen Medizin. Von der Volksmedizin zu den unkonventionellen Therapien von heute. München: C. H. Beck; 1996]

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